Die Idee lebt(e) weiter!

Solidarität leben im Einklang mit der Natur – seit 120 Jahren.

Unter diesem Motto stand die Geschichtskonferenz des Landesverbandes Sachsen der NaturFreunde Deutschlands am 7. und 8. März 2015 in der FamilienOase Königstein. Ein Ort, an dem vor 25 Jahren die Naturfreundebewegung wieder zum Leben erweckt wurde. Mit interessanten Vorträgen erhielten die Teilnehmer einen Überblick über die Geschichte der NaturFreunde Sachsen. Deutlich wurde, dass die Idee der NaturFreunde nichts an Aktualität verloren hat. Für die Gründerjahre bis zur Gegenwart gilt: Man ist aufgeschlossen sich den Fragen der Zeit zu stellen.

Geschichte hilft, sich selbst und andere zu verstehen

Alle Vorträge hatten eines gemeinsam – den konstruktiv-kritischen Blick auf die Geschichte der sächsischen Naturfreundebewegung. Bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten entstand in Sachsen und Böhmen eine sehr lebendige Naturfreundebewegung mit zahlreichen Naturfreundehäusern beiderseits der Grenze. Nach 1945 stand jedoch alles auf Neuanfang. In der Sowjetischen Besatzungszone bildete sich eine Einheitstouristenbewegung, in der sich alle antifaschistischen Wanderer und Bergsteiger organisieren sollten. Schließlich fand man sich in den sportlich orientierten Sektionen Touristik des DWBV/DWBO oder bei den Natur- und Heimatfreunden des Kulturbundes wieder. Kein einfacher Schritt für NaturFreunde, die sich gleichermaßen als Kultur- und Sportverband verstehen. Die Idee lebte trotzdem weiter, denn auch in der DDR wurde immer wieder an die Naturfreundebewegung erinnert.

Wer seine Wurzeln kennt, kann Neues erschaffen

Im März 1990 erfolgte auf Initiative von Mitgliedern des Kulturbundes die Gründung eines eigenständigen Touristenverbandes „Naturfreunde-DDR“, dessen Zusammenschluss mit den NaturFreunden in der BRD zeitnah folgte. Der Landesverband Sachsen der NaturFreunde Deutschlands wurde erst 1993 gegründet. Viele Mitglieder des DWBO und des Kulturbundes engagierten sich wieder bei den NaturFreunden.

Seit 2005 versuchen sich die NaturFreunde Deutschlands als Verband für Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln. Denn mit dem Begriff der Nachhaltigkeit wird unser Anliegen auf den Punkt gebracht. Für uns ist Nachhaltigkeit nicht nur eine technische Frage, die mit erneuerbaren Energien und energieeffizienten Produkten gelöst werden kann. Es ist vielmehr eine kulturelle Frage, die nachhaltige Lebensstile erfordert. Die NaturFreunde Deutschlands fühlen sich heute den Prinzipien der Nachhaltigkeit und den Idealen des Demokratischen Sozialismus – Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität – verpflichtet. Durch unsere Vielfalt an sportlichen und kulturellen Aktivitäten zeigen wir vor Ort wie eine nachhaltige und solidarische Lebensweise praktisch möglich ist. In der Gemeinschaft setzten wir uns ein für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und versuchen im solidarischen Miteinander die Menschen zum Denken und Handeln anzuregen. Die sozial-ökologische Transformation zu einer nachhaltigen und solidarischen Gesellschaft möchten die NaturFreunde mit Freude und Engagement mitgestalten.

Wir wünschen dafür allen Mitgliedern Mut, Offenheit, Begeisterung und Zuversicht!

Ein optimistisches Berg frei!
Hubert Höfer
(im Namen des Landesvorstandes der NaturFreunde Sachsen)

Vorträge zur Geschichtskonferenz

Es sind noch nicht alle Vorträge online verfügbar. Wir bitten noch um etwas Geduld.

1. Der Touristenverein "Die Naturfreunde" - Von der Gründung des TVDN bis zum Verbot im Faschismus

Referent: Dr. Manfred Schindler

Welche sozialen, politischen und wirtschaftlichen Randbedingungen führten vor 120 Jahren zur Gründung des Touristenvereins "Die Naturfreunde" (TVDN) in Wien? Warum gründete sich die erste sächsische Ortsgruppe 1909 in Dresden und wie entwickelte sich die NaturFreundebewegung in Sachsen bis zum Verbot durch die Nazis im Jahr 1933. Dr. Manfred Schindler schärft das Verständnis für die kulturellen Werte, die durch NaturFreunde in Sachsen geschaffen wurden und durch das Verbot unwiederbringlich verloren gegangen sind.

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2. Der Kampf um die Wiedergründung des TVDN bis 1948

Referent: Joachim Schindler

Der Kampf innerhalb der Arbeiterbewegung bis 1933 und die 12 Jahre Nazi-Terror gingen auch an der NaturFreundebewegung nicht spurlos vorbei. Aus Freunden wurden teilweise Feinde. Viele NaturFreunde wurden unter den Nazis verfolgt, verhaftet oder ermordet. Es gab aber auch NaturFreunde, die sich den Nazis anbiederten. Und nach 1945 stand alles auf Neuanfang. Bis 1948 versuchte man auch in der Sowjetischen Besatzungszone den TVDN wiederzugründen. Aber das war vergebens. Denn die politische Zielrichtung sah von Anfang an eine Einheitsbewegung für den Sport und die Kultur vor, der sich alle alle anzuschließen mussten, wenn sie weiterhin organisiert bleiben wollten. Viele NaturFreunde lehnten diesen Weg konsequent ab. Aber es gab auch NaturFreunde, die sich in die Einheitstouristenbewegung einbrachten, so z.B. Hans Frank, der Gauvorsitzende des TVDN in Sachsen bis 1933. Joachim Schindler schildert in seinem Vortrag viele persönliche Geschichten und schafft somit ein Verständnis für das Denken und Handeln von NaturFreunden in der Zeit nach 1945.

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3. Die Idee lebt(e) weiter - NaturFreunde in der DDR (Überblick)

Referent: Jürgen Lorenz

Jürgen Lorenz berichtet auf Basis eigener Recherchen und als Zeitzeuge aus Sicht der Leipziger NaturFreunde über die Entwicklung in der DDR. Aus seiner persönlichen Sicht schildert er die Möglichkeiten, in welchem Rahmen NaturFreunde auch unter dem Dach der Einheitstouristenbewegung und des Kulturbundes aktiv sein konnten und wo unüberbrückbare Grenzen bestanden. An den TVDN und seine Leistungen wurde in der DDR erinnert, spätestens ab 1984 mit der Gründung einer Geschichtskommission innerhalb des Deutschen Verbandes für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslaufes (DWBO), der auch Jürgen Loren angehörte.

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4. Die Idee lebt(e) weiter - NaturFreunde im Kulturbund

Referent: Roland Meyer

Als sich die NaturFreunde Sachsen 2012 an die Stadt Groitzsch wendeten, um mehr über das ehemalige NaturFreundehaus zu erfahren, bekamen sie eine ausführliche Antwort von Roland Meyer, dem Ortschronisten und Mitglied im Naturfreunde- und Heimatverein Groitzsch. Er recherchierte mit viel Begeisterung im Stadtarchiv und befragte Menschen, die sich an die NaturFreunde und ihr Haus noch erinnern konnten. Roland Meyer berichtet spannend über die Geschichte der NaturFreunde Groitzsch, vor allem ihr Engagement um ein eigenes NaturFreundehaus und die Entwicklung als Natur- und Heimatfreunde innerhalb des Kulturbundes nach 1945. Das Naturfreundehaus wurde ab 1925 für 25 Jahre von der Stadt gepachtet. Heute steht es leer und sucht wieder engagierte Menschen, die es mit Leben erfüllen wollen.

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5. Die Idee lebt(e) weiter - NaturFreunde im DWBV

Referent: Klaus Zimmermann

Dass es in der DDR keine Naturfreundejugend gab, widerlegt Klaus Zimmermann in seinem Vortrag über das Leben engagierter NaturFreunde im Zittauer Gebirge. Ideengeber für die Jugendgruppe unter dem Dach des Kulturbundes war Werner Lehmann, der eine Gruppe von Jugendlichen für die Naturfreundejugend begeisterte. Klaus Zimmermann gehörte zu dieser Gruppe und berichtet lebendig in Wort und Bild sowie mit musikalischer Begleitung von den Aktivitäten in der 50iger und 60iger Jahren. Die Gruppe besaß ab 1957 sogar ihr eigenes NaturFreundehaus, die Bärwandhütte in Jonsdorf. 1963 löste sich die Gruppe unfreiwillig auf aber die Erinnerungen blieben wach. Als Kletterer war Klaus Zimmermann später in der "Zittauer Bergsteigergemeinschaft" aktiv und trägt auch in der heutigen Sektion Zittau des Deutschen Alpenvereins alte Naturfreundetraditionen in`s Heute.

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6. Von der Gründung des TV "Naturfreunde-DDR" bis Gründung des LV Sachsen

Referent: Hans-Dieter Opitz

Nach 1990 gab es für kurze Zeit einen Touristenverband "Naturfreunde DDR", der am 3. März 1990 in der Jugendherberge Julius Fucik gegründet wurde. Hans-Dieter Opitz hat dieses Ereignis fotografisch festgehalten und berichtet als Zeitzeuge von der Gründungsveranstaltung. Er geht auf die spannende Entwicklung bis 1993 ein, als sich auch in Sachsen ein eigener Landesverband gründete. Warum dies so spät erfolgte macht der Vortrag sehr deutlich.

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7. Die Entwicklung des Landesverbandes von 1993 bis 2003

Referent: Rainer Dannenberg (Landesvorsitzender 1993-2003)

Rainer Dannenberg berichtet über die Arbeit im Landesverband nach 1993. Viel Enthusiasmus begleitete die ersten Jahre nach der Wiedergründung. Die NaturFreunde Sachsen engagierten sich in zahlreichen Projekten und steckten viel Aufwand in die Rückgewinnung der Naturfreundehäuser. Aus heutiger Sicht leider keine Erfolgsgeschichte, denn viele Naturfreundehäuser in Sachsen gingen wieder verloren.

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8. Die Entwicklung der Ortsgruppe Görlitz

Referent: Dieter Holtzsch

Auch in der östlichsten Stadt Deutschlands fand die Naturfreundeidee ab 1922 begeisterte Anhänger. Die Ortsgruppe Görlitz, bis 1933 Teil des Gaues Schlesien im TVDN, hatte ein eigenes Naturfreundehaus im Bad Schwarzbach, das Iserhaus, im heute polnischen Teil des Isergebirges. Bei der Wiedergründung der Ortsgruppe 1990 tauchte auch das Naturfreundeschild wieder auf, welches das Iserhaus bis 1933 schmückte und anschließend von engagierten Naturfreunden versteckt wurde. Seinen neuen Platz fand es ab 1993 am Zirkelsteinhaus in der Sächsischen Schweiz. Dieter Holtzsch gab einen Überblick der Aktivitäten der vergangenen 25 Jahre und legte den Fokus auf die Entwicklung des Naturfreundekletterns sowie das ehrenamtliche Engagement von Jung und Alt in unserem Verband seit der Wiedergründung.

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9. Die Entwicklung der Ortsgruppe Löbau

Referent: Klaus-Dieter Fuchs

In Löbau gründeten engagierte Menschen 1990 eine Ortsgruppe ohne zu wissen, dass es dort bereits vor 1933 organisierte NaturFreunde gab. Klaus-Dieter Fuchs stellt in seinem Vortrag die Aktivitäten der Ortsgruppe vor. Heute pflegen die Löbauer NaturFreunde enge Kontakte zur Ortgsruppe Ettlingen sowie zu den tschechischen NaturFreunden in Jablonec nad Nisou. Die Mitglieder sind engagiert bei der Pflege von Flächen des ehemaligen Landesgartenschaugeländes und organisieren jährlich die Löbauer Bergwanderung, ein öffentlicher Wandertag für jedermann. 2015 begehen die NaturFreunde Löbau den 25. Jahrestag ihrer Wiedergründung mit einem Festwochenende vom 19. bis 21. Juni und laden dazu herzlich ein.

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10. Die Entwicklung der Ortsgruppe Plauen

Referent: Hans Leipold

Es gibt nur wenige Aktivitäten, welche die NaturFreunde Plauen seit 1990 noch nicht ausprobiert haben. Hans Leipolds Vortrag war Rückblick in die 1909 gegründete Ortsgruppe und zeitgleich Ideensammlung für NaturFreunde-Angebote in der Gegenwart. Gute Kontakte werden im Rahmen der Städtepartnerschaft Plauen-Hof-As auch zu den NaturFreunden in Hof gepflegt. 2014 war Hans Leipold Mitautor an dem Buch "Wandern in der Vogtländischen Schweiz", welches jedem NaturFreund sehr zu empfehlen ist.

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11. Zur Zukunft der NaturFreunde

Referent: Hubert Höfer

Bevor man in die Zukunft blickt lohnt sich ein Blick zurück in die Geschichte. Das gilt auch für die NaturFreunde. Als Ergebnis der Geschichtsvorträge des Vortages lenkte Hubert Höfer die Aufmerksamkeit auf die Traditionen der NaturFreunde in Sachsen und entwickelte daraus neue Perspektiven für den Landesverband. In den Vordergrund stellte er die Bereiche Politisches Engagement, Kultur und Bildung, Nachhaltiger Tourismus sowie die Internationale Begegnung. Wo das Leitbild der NaturFreunde mit Freude gelebt wird und Fragen der Zeit aufgegriffen werden, hat der Verband eine Zukunft, so das Fazit von Hubert Höfer.

Download: Zur Zukunft der NaturFreunde


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