Naturfreundehäuser

Manifest Nachhaltigkeit

NaturFreunde – der Verband für Nachhaltigkeit

„Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben eine zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern, eine immer größere Armut, immer mehr Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie eine fortschreitende Schädigung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt.“

So beginnt die Präambel der Agenda 21. Dieses Handlungsprogramm für unser Jahrhundert wurde im Juni 1992 von 178 Staaten auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro verabschiedet. Die Agenda 21 ist das Programm für eine umweltverträgliche, nachhaltige und gerechte Entwicklung in der Einen Welt. „Nachhaltig“ ist danach eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heute lebenden Menschen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu gefährden. Die Agenda 21 ist deshalb weit mehr als ein umweltpolitisches Programm. Sie bezieht wirtschaftliche und soziale Fragen ein, will die Bürgerbeteiligung stärken und globale Zusammenhänge ins Bewusstsein rücken. Sie ist ein Programm zur Bewältigung der großen Herausforderungen der Menschheit im Zeitalter der Globalisierung.

Trotz der Verpflichtungen von Rio hat sich zukunftsfähiges oder nachhaltiges Handeln noch längst nicht durchgesetzt. Auch inhaltlich muss Klarheit geschaffen werden. Statt Nachhaltigkeit beherrscht mehrheitlich das Prinzip „Wirtschaftlichkeit“ die konkreten Entscheidungen. Dies gilt immer wieder auch für die Entscheidungen der rot/grünen Koalition in Berlin, die sich harten ökonomischen Zwängen nicht zu entziehen weiß. Vor allem aber ist es die Politik der großen Industriestaaten mit den USA als Vorreiter, die den Globus rücksichtslos ausbeutet.

Ob die dafür notwendige Neuorientierung der Politik in den internationalen Gremien und in den Nationalstaaten gelingt, ob die Menschen in den industrialisierten Ländern bereit werden, ihren Lebensstil zu ändern, das hängt davon ab, wieviele Menschen sich für eine nachhaltige Entwicklung engagieren. Wir wollen dazu unseren Beitrag leisten und ein Motor für die notwendigen Reformen werden.

Vaclav Havel, der tschechische Präsident, schrieb: „Jeder von uns hat, kurz gesagt, die Möglichkeit zu begreifen, dass auch er, sei er noch so bedeutungslos und machtlos, die Welt verändern kann. Jeder aber muss bei sich anfangen. Würde einer auf den anderen warten, warteten alle vergeblich.“

Die NaturFreunde waren schon immer der ganzheitlichen und sozialen Perspektive verpflichtet, die heute „nachhaltige Entwicklung“ genannt wird. Sie bekennen sich zu einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaftsordnung, sie streben nach einer Gesellschaft ohne Diskriminierung. Sie treten für mehr Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität ein, wollen die Gesellschaft ökologisch umbauen, suchen nach Völkerverständigung, Abrüstung und Frieden.

Die NaturFreunde nehmen die Herausforderung des Erdgipfels von Rio an: Für uns steht der Begriff Nachhaltigkeit für eine Zukunftsvision, in der wirtschaftliche Entwicklung dauerhaft mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit verbunden wird. Das ist eine Perspektive, die Fortschritt möglich macht, den Zusammenhalt der Gesellschaft fördert und den Menschen heute und in Zukunft soziale und ökologische Sicherheit gibt.

Deshalb wollen wir uns in Zukunft als Verband für Nachhaltigkeit verstehen.

  • Nachhaltigkeit bedeutet Solidarität mit den Menschen in anderen Ländern und den Menschen, die nach uns kommen werden. Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung auch an jüngere Menschen, technische und soziale Innovationen zu entwickeln, die ein Leben mit weniger Verbrauch an Rohstoffen und Energie und mit weniger Abfällen, mit weniger Umweltzerstörung, aber mit mehr Beteiligung, Lebensqualität und persönlicher Entfaltung ermöglichen.
  • Nachhaltigkeit bedeutet Nutzung von Technologien zum Einsparen von Ressourcen und zur Verbesserung ihrer Effektivität, heißt Effizienzsteigerung, Dezentralisierung und mehr lokale Verantwortung für die Lebensgestaltung. Heißt mehr Raum für Klein- und Mittelbetriebe und regionale Wirtschaftskreisläufe als Antwort auf eine ungezähmte Globalisierung und heißt neue zukunftssichere Arbeitsplätze. Nachhaltigkeit ist das Bündnis für Arbeit und Umwelt.
  • Nachhaltigkeit braucht eine Politik von unten, Bürgerbeteiligung und Übernahme von Verantwortung. Sie will Einbeziehung aller gesellschaftlichen Gruppen, vor allem auch der Frauen und jungen Menschen.
  • Nachhaltigkeit umfasst vorsorgenden und integrierten Umweltschutz, Ressourcenschonung, Förderung und Nutzung regenerativer Energien und Erhaltung der Vielfalt der Natur und damit der natürlichen Lebensgrundlagen.
  • Nachhaltigkeit ist im Gegensatz zum zerstörerischen Shareholder-Kapitalismus wirklich „modern“, weil ihr Ziel nicht die kurzfristige Profitmaximierung, sondern die dauerhafte Sicherung der Existenzgrundlagen für alle Menschen ist. Und weil sie die Kreativität und Phantasie anregt statt die Menschen anonymen Zwängen unterzuordnen.
  • Nachhaltigkeit verlangt aber auch Schritte zu einer grundlegenden Veränderung unserer Wirtschafts- und Lebensweise. Wachsender materieller „Wohlstand“ durch immer höheren Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen gerät immer stärker in Konkurrenz zum Zeitwohlstand. Mehr Mobilität gerät in Konkurrenz zu sozialer Verbindlichkeit. Mehr Erwerbsarbeit in Konkurrenz zu Familien- oder Eigenarbeit. Mehr Orientierung an Karriere oder Geld in Konkurrenz zu Muße oder Phantasie. Immer noch schneller, höher und weiter in einer vom Ellenbogen beherrschten Gesellschaft? Das kann nicht unser Weg sein. In einer gerechten Welt kann man nicht von allem immer mehr haben und verbrauchen.

Nachhaltigkeit wirft deshalb auch die Frage nach einem neuen „Wohlstandsmodell“ auf:
Zur Forderung nach einer verbesserten „Effizienz“ beim Einsatz von Energie und Rohstoffen kommt die Frage nach einer anderen Qualität des Lebens. Bei der UNO gibt es einen Wohlstandsindex, dem nicht nur der Verbrauch an materiellen Gütern zu Grunde liegt, sondern der auch Indikatoren wie Bildungschancen, soziale Sicherheit, Demokratie und Mitbestimmung und eine intakte Natur einbezieht. Dafür könnte die Formel lauten: „Besser leben“.

Die NaturFreunde haben sich immer schon am Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung“ orientiert, in dem die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen mit sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Entfaltung verbunden ist.

Sie waren immer Teil der europäischen Reformbewegung für einen demokratischen Sozialismus und gegen eine vom Kapitalismus bestimmte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Sie sind bis heute ein Touristenverband, eine Umweltorganisation, ein Sportverband, eine Kulturinitiative besonderer Art geblieben.

  • Sie unterscheiden sich von anderen Wander-, Radfahr- und Kanuvereinen, weil bei ihnen der pflegliche Umgang mit der Natur und die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen Vorrang haben.
  • Sie unterscheiden sich von klassischen Umweltverbänden, weil sie den Menschen als Teil der Natur sehen, der sie nicht zerstören darf, aber nutzen können muss. Und weil sie Umweltschutz und soziale Sicherheit in einen engen Verbund setzen.
  • Sie kämpfen als Teil der Arbeiterbewegung mit den Gewerkschaften für gleichberechtigte Teilhabe aller an der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • Sie pflegen die Solidarität innerhalb der eigenen Generation, zwischen den Generationen und in der Einen Welt, in der alle Menschen den gleichen Anspruch auf Teilhabe erheben können.

Die NaturFreunde tun dies in ihren Ortsgruppen, Landesverbänden, in ihrem Bundesverband und der Naturfreunde Internationale. Sie suchen neue Möglichkeiten für gemeinsames Naturerleben. Sie kümmern sich um nachhaltigen bzw. „sanften“ Tourismus. Sie modernisieren Schritt für Schritt ihre 500 Häuser, um aus ihnen ökologische Vorbilder zu machen. Sie verknüpfen ihre Arbeit dort mit Umweltbildung für Familien und Kinder.

Sie lernen gemeinsam mit Gewerkschaften, wie das Umsteuern in eine nachhaltige Entwicklung gestaltet werden kann. Sie rufen Kampagnen aus, um den Klimaschutz zu verbessern, um Flüsse wieder sauberer zu machen, Landschaften integriert weiter zu entwickeln und um „Grüne Wege für die Zukunft“ zu finden. Und sie arbeiten an der gemeinsamen Interessenvertretung von Umweltverbänden und Gewerkschaften, um deutlich zu machen, dass Umweltschutz und Arbeitsplätze nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.

Die NaturFreunde können vieles besser als andere Organisationen: Mit unserem ganzheitlichen Ansatz, Tourismus, Ökologie, Kultur, Sport, Arbeitswelt miteinander zu verbinden, haben wir die besten Voraussetzungen, um zum „Verband für Nachhaltigkeit“ zu werden. Das entspricht unserem Verständnis von Reformen.

Die NaturFreunde sind Teil der demokratischen „Zivilgesellschaft“, die nicht nur gesellschaftliche Nischen besetzen, sondern an der Gestaltung der Zukunft auch in der Politik mitwirken. Sie fordern dabei die Orientierung aller Politikbereiche am Grundsatz der Nachhaltigkeit ein.

Aber die NaturFreunde müssen sich auch selbst modernisieren, wenn sie ihren Part erfolgreich und aktiv spielen wollen. Wir wollen nicht ein beliebiger Verband werden, der mit Events, Trendsportarten und Zeitgeist auf sich aufmerksam macht. Aber wir wollen der Verband werden, der Anstöße zu einem nachhaltigen Lebensstil gibt, der ein Freizeit-, Sport-, Kinder- und Umweltangebot macht, das dem Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung entspricht. Das macht uns attraktiv für diejenigen, die selbst denken, statt sich fremdbestimmen zu lassen. Nachhaltigkeit ist keine Mode, sondern eine grundsätzliche Wertorientierung, entlang der wir uns entwickeln und die Politik mitgestalten wollen.

Nachhaltigkeit bedeutet für uns, offen sein für alle Menschen, die mit uns diese Wertvorstellung teilen und sich in diesem Sinne aktiv einsetzen wollen. Wir NaturFreunde werden in Zukunft verstärkt mit unserem besonderen Profil werben und damit auch unsere Besonderheit herausstellen:

Wir sind nachhaltig und etwas anders:

  • Wir sind der etwas andere Wanderverein: Wir gehen „gemeinsam on tour“ und interessieren uns dabei für Natur und soziale Kultur.
  • Wir sind der etwas andere Sportverband: Wir treiben naturverträglichen und gemeinschaftlichen Sport.
  • Wir sind der etwas andere Umweltverband: Wir verbinden Umweltschutz mit Innovation, neuen Arbeitsplätzen und Sozialverträglichkeit.
  • Wir sind der etwas andere Naturschutzverband: Wir fördern Naturerlebnis und die verantwortungsvolle Nutzung der Natur.
  • Wir sind der etwas andere Reiseveranstalter: Wir bieten soziale Begegnungen bei umweltverträglichen Reisen.
  • Wir sind der etwas andere Kulturverband: Wir fördern „Kultur von unten“ für alle.


Wir reden über Freiheit und Gerechtigkeit und internationale Solidarität. Wir haben Träume von einer friedlichen und gerechten Zukunft. Wir arbeiten an der Zukunftsfähigkeit Deutschlands in der Einen Welt. Wir sind der Verband für Nachhaltigkeit.

Das Manifest Nachhaltigkeit wurde auf dem 15. Bundeskongress der NaturFreunde Deutschlands 2001 in Duisburg beschlossen.


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