Natur- und Umweltschutz

NaturFreunde fordern Stopp aller Ausbaupläne an der Elbe

Saale"In der Flusslandschaft Elbe müssen Naturschutz und nachhaltiger Tourismus Vorrang haben", forderte Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher und Mitglied des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands. Die NaturFreunde fordern einen Stopp aller Ausbaupläne für die Binnenschifffahrt an der Elbe, sowohl für den Saale-Kanal, die Planungen eines Staudamms bei Decin (CZ) als auch für eine weitere Vertiefung an der Mittel- und Oberelbe. Immerhin wurden seit der Wende rund 3,7 Milliarden Euro in ostdeutsche Wasserstraßen investiert, ohne dass auch nur ein Schiff zusätzlich fahren würde.

NaturFreunde fordern Stopp aller Ausbaupläne an der Elbe

In der Flusslandschaft müssen Naturschutz und nachhaltiger Tourismus Vorrang haben

Die NaturFreunde Deutschlands fordern einen Stopp aller Ausbaupläne für die Binnenschifffahrt an der Elbe. "Das gilt für den Saale-Kanal ebenso wie für die Planungen eines Staudamms bei Decin (Tschechien), aber auch für eine weitere Vertiefung an der Mittel- und Oberelbe", erklärte Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher und Mitglied des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands, in Berlin.

Kuhlwein forderte die Bundesregierung dringend auf, ihr Elbe-Konzept zu überarbeiten:
"Bei der Abwägung zwischen Erhalt der Biodiversität und Einhaltung der EG-Wasserrahmenrichtlinie auf der einen und den Interessen der Binnenschifffahrt auf der anderen Seite muss die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen unbedingten Vorrang haben."

Trotz 3,7 Milliarden Euro Investitionen fährt kein Schiff zusätzlich


Die Bundesregierung wolle noch immer "das Verkehrssystem Schifffahrt/Wasserstraße zur Bewältigung des Verkehrsaufkommens und insbesondere zur Entlastung der Straße" stärken, um die angeblichen "positiven Umwelteffekte des Verkehrssystems" zu nutzen. Laut Kuhlwein sei dabei aber längst erwiesen, dass die Elbe mit ihren niedrigen und schwankenden Wassertiefen keine wirtschaftliche Binnenschifffahrt zulasse.

Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen für eine Mindestwassertiefe von 1,60 Metern bei Niedrigwasser wären Fehlinvestitionen, für die künftige Steuerzahler in die Pflicht genommen würden. Seit der Wende seien rund 3,7 Milliarden Euro in ostdeutsche Wasserstraßen investiert worden, ohne dass auch nur ein Schiff zusätzlich fahren würde. Und es gebe ausreichend Eisenbahnkapazitäten für Transporte elbabwärts Richtung Hamburg.

Kuhlwein warnte besonders vor einer Vertiefung der Elbe durch Bau oder Erneuerung von Buhnen. Der Fluss grabe sich ein. Sohle und Wasserspiegel würden gesenkt, die Schifffahrt habe keinerlei Vorteile davon. Längst hätten sich die Firmen darauf eingestellt und die Binnenschifffahrt auf den Rhein und das westeuropäische Kanalnetz verlagert. Ein Stopp der Ausbauarbeiten sichere das Grundwasser und die ökologisch besonders wertvollen Auenlandschaften im Bereich der Elbe.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern:

  • die Planungen für einen Saale-Kanal nach einer wirklichkeitsnahen Kosten-Nutzen-Analyse zu stoppen;
  • den Elbe-Ausbau nach den Plänen der 1930er Jahre zu stoppen, weil das bisherige Konzept der Wiederherstellung der Buhnen und Deckwerke kontraproduktiv ist. Weder hat es die Befahrbarkeit der Elbe als Wasserstraße noch den ökologischen Zustand verbessert. Die beschleunigte Tiefenerosion richtet weiter irreversible Schäden am Wasserhaushalt der Flusslandschaft sowie auch an der Stabilität der Strombauwerke an;
  • in Verhandlungen mit Tschechien auf einen Stopp der Planungen für unwirtschaftliche und ökologisch fragwürdige neue Staustufen hinzuwirken. Dabei sollte die Tschechische Republik darüber informiert werden, dass das vorgesehene Tiefenziel von 1,60 Metern in Deutschland nicht erreichbar ist

Die NaturFreunde schlagen vor, die Elbe stärker für einen "nachhaltigen Tourismus" zu nutzen, wie das beispielsweise auch schon an der Unteren Havel geschieht. Das erhalte und schaffe eher Arbeitsplätze in der Region als die Naturzerstörung durch den unwirtschaftlichen Bau von Wasserstraßen und Hafenanlagen.

Zu einer Tourismus-Initiative gehörten:

  • die Werbung für und der Einsatz von kleinen elbangepassten Schiffen für den Natur- und Flusstourismus;
  • der Ausbau des Kanu-Tourismus;
  • ein dichtes Netz von Radwegen an der Elbe und in die Region mit entsprechenden Angebotspaketen;
    die Vernetzung der Angebote im Elbe-Einzugsbereich etwa mit denen von Mulde, Saale, Unstrut und Helme;
  • integrierte kulturelle Angebote in den vielen historischen Orten an und neben der Elbe

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